Was ist Awareness?

Der Begriff Awareness beschreibt das Bewusstsein und die Achtsamkeit für Situationen, in denen persönliche Grenzen überschritten werden oder überschritten wurden. Dabei werden sowohl individuelle Grenzverletzungen als auch strukturelle Formen von Diskriminierung und (sexualisierter) Gewalt berücksichtigt. Ziel der Awareness-Arbeit ist es, einen Rahmen zu schaffen, in dem sich alle Menschen unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung, Hautfarbe, Herkunft, Aussehen oder körperlichen Fähigkeiten möglichst wohl, frei und sicher fühlen können (Quelle: awareness-akademie.de).

Awareness betrachtet neben Grenzüberschreitungen zwischen Personen auch die kollektive Verantwortung für diese Situation in Form von präventiven und interventionellen Maßnahmen. Ein möglichst sicherer Raum kann nur durch uns alle gemeinsam geschaffen werden!

Warum Awareness auf Festivals notwendig ist

Übergriffe können überall passieren, und jede*r kann eine gewaltausübende Person sein, selbst an Orten, die sich als aufgeklärt oder alternativ verstehen. Ein Festival bedeutet für viele Menschen einen kollektiven Ausnahmezustand. Unterschiedliche persönliche Grenzen und Hintergründe treffen aufeinander, und Vorstellungen darüber, wo Grenzen im Umgang miteinander liegen, können stark variieren. Gleichzeitig ist das subjektive Sicherheitsgefühl durch eine unbekannte, weitläufige Umgebung häufig reduziert.

Veranstaltende tragen vor diesem Hintergrund eine besondere Verantwortung. Awareness wird daher als fester Bestandteil des Selbstverständnisses und des Sicherheitskonzepts verstanden und sowohl nach innen als auch nach außen kommuniziert.

Grundlagen der Awareness-Arbeit auf Festivals

Individuelle Wahrnehmung und Grenzen

Körperliche und psychische Grenzen sind nicht immer sichtbar. Das subjektive Sicherheitsgefühl ist individuell und abhängig von Erfahrungen, Zugehörigkeiten und äußeren Umständen. Der Konsum von Substanzen kann die Wahrnehmung eigener und fremder Grenzen zusätzlich erschweren, während die Vulnerabilität von Festivalteilnehmenden steigt.

Strukturelle Rahmenbedingungen

Eingeschränkter Handyempfang, begrenzte Rückzugsmöglichkeiten und die Weitläufigkeit des Geländes können die Kontrolle über die eigene Situation reduzieren. Diese Faktoren werden in der Planung und Umsetzung berücksichtigt.

Diskriminierung und Machtstrukturen

Awareness-Arbeit setzt die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen und eigenen Privilegien voraus. Diskriminierungsformen wie Rassismus, Sexismus, Klassismus oder Ableismus beeinflussen, wie sicher sich Menschen in öffentlichen Räumen fühlen.

Rassismus = Diskriminierung aufgrund der angenommenen ethnischen Zugehörigkeit

Sexismus = Diskriminierung aufgrund der Geschlechtsidentität

Klassismus = Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft oder ökonomischen Position

Ableismus = Diskriminierung aufgrund einer Behinderung

Wie arbeiten wir?

Konsens

Nur ja heißt ja! Individuelle Grenzen werden respektiert. Festivalteilnehmende haben das Recht, ihren Konsens zu Berührungen oder Gesprächen zu geben, zu verweigern oder den einmal gegebenen Konsens jederzeit zurückzuziehen. Dieses Recht muss nicht eingefordert werden, sondern steht ihnen bedingungslos zu.

Solidarität

Die Wahrnehmung einer Person wird nicht in Frage gestellt. Wo ein Übergriff beginnt, bestimmt immer die betroffene Person. Wir setzen uns bedingungslos für die betroffene Person ein, um Schutz und Sicherheit zu gewährleisten. Awareness-Arbeit dient nicht der Klärung von Schuldfragen, sondern der Schaffung eines möglichst sicheren Raums und der Stabilisierung aller Beteiligten. Im Verlauf kann das Awareness-Team eine vermittelnde Rolle in der Konfliktmoderation einnehmen.

Rolle des Awareness-Teams

Das Awareness-Team versteht sich als psychosoziale und deeskalierende Anlaufstelle. Es agiert nicht als ordnende oder sanktionierende Instanz, sondern unterstützt betroffene Personen, moderiert bei Bedarf zwischen den beteiligten Parteien und stimmt sich mit weiteren Strukturen des Sicherheitskonzepts ab. Alle Maßnahmen orientieren sich an den Bedürfnissen der betroffenen Person sowie an einer verantwortungsvollen, situationsangemessenen und transparenten Handhabung im Gesamtkontext der Veranstaltung.

Anonymität

Die Identität und die persönliche Sphäre betroffener Personen werden geschützt. Informationen werden vertraulich behandelt und nur in dem Umfang weitergegeben, der für die Gewährleistung von Schutz, Unterstützung und Sicherheit erforderlich ist.

Selbstfürsorge

Awareness-Arbeit ist eine fordernde Tätigkeit. Die Wahrnehmung eigener Grenzen ist daher äußerst wichtig. Wir achten aufeinander, unterstützen uns gegenseitig und niemand trägt alleinige Verantwortung.

Ein sicherer Raum entsteht nur durch die Mitwirkung aller. Daher gilt dieses Awarenesskonzept sowie unser Code of Conduct ohne Ausnahme für alle Personen, die das Festivalgelände betreten. Dies umfasst unsere Gäste, alle Künstler*innen und deren Begleitung, die gesamte Festival-Crew, das Technik-Personal, alle externen Dienstleister*innen und Gewerke, Volunteers sowie die Sicherheits- und Rettungskräfte und Medienvertreter*innen.

Mit dem Betreten des Geländes erkennt jede Person diese Grundsätze als verbindlich an und bestätigt, sie gelesen zu haben. Wir erwarten von allen Beteiligten – egal ob vor, auf oder hinter der Bühne – eine aktive Haltung gegen Diskriminierung und Grenzverletzungen. Lasst uns gemeinsam Verantwortung übernehmen und aufeinander Acht geben.